regionaltypisches Bauernhaus

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Von der Schönheit
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Abbruch von regionaltypischen Bauernhäusern
(Heimatnotizen/ Jahresbericht 2019 Heimatschutz SG-AI)

Medial hört man immer wieder Warnhinweise über die häufigen Bauernhausabbrüche, aktuell im Kanton St. Gallen.
Der Heimatschutz St. Gallen/Appenzell I.RH. weist in einer 2018 formulierten Resolution darauf hin, dass unsere noch intakten Kulturlandschaften bedroht sind.

Doch was ist der Grund, warum man alte, einfache und nicht geschützte Bauernhäuser überhaupt erhalten soll, zumal sie den Eindruck erwecken, baufällig zu sein?

Diese hölzernen Bauten haben ein Alter von hundert, zweihundert, dreihundert, vielleicht fünfhundert oder sogar sechshundert Jahren.
Wenn man solche Häuser betritt, spürt man dieses Alter, man sieht es von aussen, man sieht dunkel gefärbte Holzhäuser. Ganz richtig, Holzhäuser. Holzhäuser auf Steinsockeln, gestrickt, im Fachwerkbau, in simpler Art und Weise gebaut, und dennoch präzise, ausgeklügelt, im Detail raffiniert,

einfach verglaste Holzfenster häufig mit Vorfenstern zieren die Fassade, die im Giebelfeld ihren Abschluss findet.
Die Grundrissorganisation sowohl im Erdgeschoss wie auch in den Obergeschossen ist klar und in Räumen gedacht.

Zum Haupthaus gesellt sich häufig ein Stallteil, oft grösser als das Wohnhaus, auch in Holz ausgeführt.

Eingebettet sind diese Ensembles von Haus und Stall in die Landschaft, ausgerichtet nach der Sonne, so dass am Abend auch die Schindeln der Nordwestfassade austrocknen können.

Ein Bild von Einfachheit, von Bescheidenheit, von einer Bautradition, die trotz Erbauung in zum Teil schwierigen finanziellen Zeiten Wert darauf gelegt hat, dass etwas Schönes entsteht und sich gegen aussen wie auch innen in lieblicher Art und Weise zeigt.

Genau dies ist es, was es so erhaltenswert macht, diese Schönheit, die von ganzem Herzen entstanden ist.
Wie ein Instrument, das gut klingt, in dem man ihm eine schöne Form gibt, gute Materialien verwendet, die man in der Natur findet und es mit Liebe verzaubert, so dass der Klang die Sinne betört.

Wahrlich eine romantische Vorstellung, aber sie liegt uns zu Füssen, auf verschiedenste Art und Weise, auch in baulicher traditioneller Form.
Umso unverständlicher zu sehen, dass man ohne gross zu überlegen „prächtigste“ Bauernhäuser abreisst, denen man Zuwendung hätte schenken können.

Khalil Gibran spricht in seinem „Propheten“ von dieser Schönheit: „Wo solltet ihr die Schönheit suchen, und wie könntet ihr sie finden, wenn sie euch nicht selber Fährte und Wegweiser wäre.“

Es ist der Mensch selbst beziehungsweise die Eigentümerinnen und Eigentümer, die diesen Weg finden können. Die Besitzer sind sich häufig nicht gewahr, dass sie einen Schatz in den Händen halten.

Zu hohe finanzielle Aufwände, zu niedrige Raumhöhen, marode Bausubstanzen, zu starke persönliche Verknüpfungen mit einem Haus etc. sind die Schlagwörter, warum ein Abbruch immer wieder stattfindet, für Neues.

Und dieses Neue ist zweifelsohne nicht immer abzulehnen, denn es braucht auch Neues, das Schönheit ausstrahlt und die Kulturlandschaft bereichert.

So sieht man die Vielfalt und die Bedeutung der heimischen Bautradition, bei der jedes Bauernhaus einzigartig ist und deren man erst recht bewusst wird, wenn sie nicht mehr da ist.

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Von der Schönheit
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Abbruch von regionaltypischen Bauernhäusern
(Heimatnotizen/ Jahresbericht 2019 Heimatschutz SG-AI)

 

 

regionaltypisches Bauernhaus